August 2017

Ich bin’s

Im Dunkeln oder in einer unbekannten Umgebung kann es sein, dass man jemanden nicht gleich erkennt. Ein „Ich bin’s“ kann dann schnell Klarheit herstellen. Schwieriger wird es, wenn die Umstände verstörend sind, es auch im übertragenden Sinn dunkel wird und der Boden unter den Füßen schwankt. Dann erkenne ich mich womöglich selbst nicht mehr.

In einer Erzählung des Matthäusevangeliums taucht so ein „Ich bin’s“ auf und mit ihm ein Gesicht. Es wird erzählt, Jesus sei den ganzen Tag mit vielen Menschen zusammen gewesen. Jetzt ist es Abend und er will für sich sein um zu beten. Er schickt seine Jünger allein voraus, sie sollen schon mal ohne ihn ans andere Ufer des Sees fahren. Sie machen sich auf den Weg auf den See hinaus, in die Nacht hinein. Ein starker Wind kommt auf und bringt das Schiff arg ins Schlingern. Den Jüngern wird ganz mulmig zumute. Da sehen sie im Dunkeln auf einmal eine Gestalt über das Wasser auf sich zukommen, wie ein Gespenst. Sie erschrecken noch mehr und schreien laut. Da spricht Jesus sie an: „Seid getrost, ich bin’s, fürchtet euch nicht!“

Auch im Krankenhaus kann es stürmisch werden, der Boden unter den Füßen beginnt zu wanken, eine dunkle Zeit für Körper und Seele. Ein gottverlassener Zustand. Man meint, Gespenster zu sehen. Man kennt sich selber nicht mehr. Aber dann ist es Christus, der in der Nacht der Ungewissheit und im Ausgeliefertsein begegnet, ausgerechnet dort, vollkommen unerwartet. Das Gespenst trägt das Gesicht Christi. „Ich bin‘s, fürchtet euch nicht!“

Christoph Hoffmann-Richter, Sana-Klinik Bethesda Stuttgart und Furtbachkrankenhaus