Dezember 2016

 

„Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart,

wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art

und hat ein Blümlein bracht - mitten im kalten Winter

wohl zu der halben Nacht.“ (EG 1,1)

  

 

Sonntags Morgen, an einem der vier Adventssonntage in der Filderklinik in Filderstadt - Bonlanden. Eine kleine Schar von Pflegeschülerinnen, Pflegeschüler und Mitarbeitenden zieht über die Stationen und singt mehrstimmig zwei bis drei bekannte Advents- und Weihnachtslieder. Hier und da schauen Patienten schlaftrunken aus den geöffneten Türen, manche kommen auch heraus, stellen sich dazu und viele singen oder summen leise mit. Manche sind merklich bewegt. Viele kennen diese Lieder aus Kindertagen.
Lieder sind viel mehr als Lieder. Lieder sind eine Vergewisserung. Ich vergewissere mich mit der Melodie: Ich bin in mehr geborgen, ich bin in mehr aufgehoben als nur in mir selbst oder in diesem Augenblick. Mit der Melodie kommen Erinnerungen an Zeiten und Gelegenheiten, in denen dieses Lied um mich war – als Kind zuhause, als Teil meiner eigenen Familie, als Mitglied einer Gruppe oder eines Vereins. Und es wächst mit der bekannten Melodie meine Hoffnung auf das, was noch nicht ist, was noch werden soll. Lieder und Melodien sind eine Heimat ohne Ort. Ganz besonders bei unseren älteren Patienten, von denen einige als „verwirrt“ gelten, erlebe ich es oft, dass sie bei vielen Liedern mitsingen und den Text erinnern. Dann singt etwas in ihnen und aus ihnen heraus. Singen schenkt Heimat ohne festen Ort und dadurch ein Stück Himmel auf Erden.

Ich wünsche Ihnen eine von vertrauten Klängen und wohltuenden Texten getragene Advents- und Weihnachtszeit

Pfarrerin Susanna Herr, Filderklinik