Dezember 2017

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ 

Die erste Kerze am Adventskranz brennt und das zeigt uns an, dass wir in der Zeit vor Weihnachten angelangt sind. Die Zeit des Advents ist die Zeit des Wartens und der Vorbereitungen. Schneller als uns meist lieb ist, nähert sie sich ihrem Ende, und jeder von uns weiß dann, was er aus dieser Zeit gemacht hat.
Was haben wir für große und kleine Vorsätze am Anfang dieser Tage?
Lassen wir uns von der Hektik und Geschäftigkeit unserer Umwelt mitreißen oder versuchen wir wenigstens hin und wieder selbst zu bestimmen, wo die Grenzen unserer Belastbarkeit liegen?
Die erste Kerze brennt, und wir sind aufgerufen innezuhalten, um Kraft zu schöpfen, so wie es ein Wanderer im Gebirge tut, bevor er den letzten Aufstieg zum Ziel beginnt. Um dabei unsere eigenen Kraftreserven zu schonen oder gar zu erweitern, ist es gut, sich diese Stärkung von anderswo zu holen. Ich möchte Ihnen deshalb einen Vers aus der Bibel mit auf den Weg des Advents geben. Er steht im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi und heißt: „Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch!  (Phil4.4)
    
Freude, das ist etwas ganz Wesentliches. Ohne sie kommen wir Menschen im Leben nur sehr schlecht zurecht.  Und sie passt auch gut in die Advents- und Weihnachtszeit. Denn in dieser Zeit werden auch wir immer wieder zur Freude ermutigt.
Viele Advents- und Weihnachtslieder lassen das „Freuet euch“ des Paulus weiterklingen und rufen es uns gerade in diesen Tagen zu, denken wir nur an das Lied: „Tochter Zion freue dich“ oder an das „O du fröhliche“. 
Viele unter uns haben diese Lieder lieb gewonnen, ich auch. Und doch weiß ich auch, dass solche Sätze eigentlich eine Zumutung sind: Als ob man Freude befehlen könnte!
Gerade in der so gefühlsbetonten Advents- und Weihnachtszeit, wo man nur schwer zwischen echt und unecht, zwischen Inhalt und Fassade unterscheiden kann, reagieren manche besonders empfindlich, wenn ihnen jemand vorschreiben will, was er oder sie zu denken oder zu fühlen hat. 
Ja, Freude kann man nicht befehlen. Denn sie kommt aus unserem Inneren. Sie ist nicht machbar. Das unterscheidet sie vom Spaß, der heute überall angesagt ist. Und doch möchte ich sie einladen dieser Freude in Ihrem Leben Raum zu geben, sie in Ihr Herz einziehen zu lassen, wie es so schön heißt.
Dann erhalten auch die dunklen Tage einen hellen Lichtschimmer.

Pfarrerin Dorothee Mende, Krankenhaus vom Roten Kreuz