Juli 2017

An einem Nachmittag habe ich mit einem sechsjähriger Jungen im Olgahospital ein Asterixheft gelesen. Eigentlich wollte der Junge seinen kleinen Bruder besuchen, durfte aber nicht auf Station, da er so erkältet ist. Und so hat er mit mir vor der Station gewartet und wir haben gemeinsam sein Asterixheft gelesen. 
Und in diesem Heft tauchen die Normannen auf und wollen unbedingt lernen, was Angst haben heißt.  Sie kennen bisher keine Angst und haben gehört, dass Angst Flügel verleiht. Angst kannte der kleine Junge neben mir auch: Angst, dass Mama ihn hier bei mir vor der Station vergisst. Die Normannen im Asterixheft haben gehört, dass Angst Flügel verleiht und man dadurch allem Schweren entkommen kann.
Das wäre ja tatsächlich was: Etwas haben, dass einem manches leichter macht.

Die Normannen müssen die Erfahrung der Angst, dann selber machen. Und sie erleben das, was ich auch kenne: Wer Angst hat fühlt sich nicht leichter oder befreiter, sondern eher wie gelähmt. Ich habe den Jungen gefragt, was ihm denn hilft, wenn er Angst hat. Mama oder Papa- waren seine Antwort- und ein Nachtlicht im Dunkeln.

Jesus hat selbst viel Angst gehabt und er hat auch erlebt, dass diese Angst lähmen kann. Und doch konnte er sagen: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Die Sorgen sollen Euch nicht festhalten.

Ein Satz, der tatsächlich Flügel verleiht und der manches Schwere leichter macht.
Die Welt oder die Angst überwinden: Manchmal bekommen wir eine Ahnung davon. Im ganz alltäglichen Leben. Alltäglich war die Situation, als die Mama nach einer halben Stunde wieder zu ihrem großen Sohn kam. Als die Tür der Station aufging und der Junge seine Mama sah, die wie versprochen jetzt wieder für ihn da war. Da war die Angst weg.

Simone Straub, Olgahospital