November 2017


Schön zu leben,

sage ich,

obwohl vieles dagegen spricht.

Ich weiß, und wer wüsste nicht!

Schön zu leben,
 
sage ich heute,

obwohl ich gestern anderer Meinung war

und morgen, was tut`s!

Schön zu leben

sage ich uneingeschränkt.

Es wird viel zu wenig gesagt.



Wunderbar, dass sich in unsrem Evangelischen Gesangbuch (S. 383) ein solcher Zwischentext findet - ein Gedicht vom Pfarrer, Liederdichter und Schriftsteller Detlev Block. Ich weiß nicht, ob es für Sie auch so ein Stimmungsaufheller ist wie für mich. Ich habe es mit Bedacht für diesen Monat November gewählt: der Monat mit dem schwindenden Licht, den schweren Gedenk- und Feiertagen. Der Monat, der die kalte dunkle Jahreszeit einleitet. Novemberblues ist schon ein feststehender Begriff geworden. I‘ve got the blues, ich bin traurig – ja ich kann mich mit meinem Leiden an der Welt und an mir selbst im schlechten, nebelig trüben Wetter wie auch in manchen Musikstücken und Liedern wiederfinden. Deshalb irgendwo auch ein tröstlicher Monat, da fühle ich mich mit meinen schweren und niedergedrückten Anteilen gut aufgehoben. Der Monat, in dem es statistisch gesehen, die wenigsten Suizide gibt. Sagte eine Freundin, die damit beruflich zu tun hatte. Weil Gefühls- und Außenwelt stimmig sind, nicht auseinanderfallen. Das kann wohltuend sein, lebenserleichternd. Also auch dieser Monat, diese Jahreszeit ein Geschenk: Gott sei Dank! Und dann kann ich mit Detlev Block weitersprechen:



Schön zu leben

und den unvollkommenen Menschen zu lieben

dessen Geheimnis zu beweisen

ich mich schäme.

Schön zu leben,

weil es dich gibt, Nazarener,

und dein Manifest der Hoffnung,

an das ich glaube.


Dorothea Wisotzky, Katharinenhospital