Oktober 2017

„Gott, sammle meine Tränen in deinen Krug;
ohne Zweifel, du zählst sie.“ Psalm 56

Seit einiger Zeit haben wir im Raum der Stille am Klinikum Bad Cannstatt einen sogenannten „Tränenkrug“ auf unserem Altar stehen.
Er steht dort, in diesem schlichten Raum, neben dem Kreuz, der Bibel und den Blumen.
Neben dem Krug stehen eine Schale mit Glasmurmeln und die Einladung an die Besucher, sich symbolisch für all die geweinten und ungeweinten Tränen eine Murmel zu nehmen und in den Glaskrug zu legen:
Im Vertrauen darauf, dass Gott festhält, was wir nicht halten können.

„Ich kann gerade nicht weinen, aber ich lege trotzdem eine Murmel hinein“, sagte mir neulich eine an Depressionen erkrankte Patientin, mit der ich den Raum der Stille aufgesucht hatte.

Der Tränenkrug als Symbol dafür, dass Gott auch die Tränen bewahrt, die wir aus Müdigkeit nicht mehr weinen können. Er bewahrt unsere Tränen, und diejenigen, um die sie geweint wurden.

Immer wieder ist die Schale mit den Murmeln beinahe leer. Das Symbol wird gerne angenommen. Es fasst in Worte, wofür es keine gibt. Sicher handelt es sich um ein vorläufiges Symbol. Das merken wir Seelsorgerinnen und Seelsorger spätestens, wenn wir den Glaskrug leeren müssen, um für Nachschub in der Schale zu sorgen.

Und dennoch, es tut mir wohl zu wissen, dass Gott unsere Tränen und die Beweinten in Acht hält. Auch wenn eines Tages wieder lachende und fröhliche Zeiten gelebt werden. Bei Ihm sind die Tränen in Ewigkeit gezählt und aufgehoben.

Pfarrerin Britta Feuersinger, Klinikum Bad Cannstatt