Mai 2020

© Diakonie Klinikum Stuttgart

Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

(Evangelisches Gesangbuch, Nr. 501)


Ich mag dieses Lied mit seiner beschwingten Melodie. Dieses Lob auf die Natur und auf Gott, der sie so schön geschaffen hat und erhält.

In diesem Jahr nehme ich das prächtige Blühen der Blumen und Bäume besonders wahr. Und das fröhliche Gezwitscher der Vögel. Vielleicht weil diese Corona-Zeit mit seinen Kontaktbeschränkungen so unwirklich ist, oft auch bedrückend. Aber draußen ist es schön!

Drei Patientinnen haben mir letzte Woche von einer Amsel erzählt, die morgens vor ihrem Fenster hin und her fliegt und oben an der Dachrinne ihr Nest hat. Wer allein liegt, sein Krankenhauszimmer nicht verlassen und keinen Besuch bekommen kann, ist vielleicht umso aufmerksamer für alles Lebendige und den Rhythmus der Natur. Unsere Patientinnen und Patienten freuen sich am Grün, an der Sonne, am blauen Himmel. Und daran, dass morgens die Amsel auftaucht und abends Musiker in den Patientengarten kommen und für sie spielen. Zeichen für den Rhythmus des Lebendigen, Fingerzeige der Gottesgüte.

Auch mir tut die Natur im Moment sehr gut. Und ich sehne mich danach, wieder gemeinsam mit anderen zu singen: „Wie lieblich ist der Maien“… Bis dahin summe ich das Lied allein vor mich hin. Auch das tut schon gut.

Pfarrerin Ingrid Wöhrle-Ziegler, Diakonie-Klinikum Stuttgart