Dezember 2019

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Violett – Lila – Die Farben des Advents

Die Liturgische Farbe des Advents, so heißt das auf Kirchendeutsch, ist violett-lila. Die Farbe der Morgendämmerung. Mit etwas Phantasie kann man sich das auch gut vorstellen: Kurz bevor die Sonne aufgeht, hüllt sich der Himmel am Horizont oft in lila. Gedämpftes Licht, noch. Aber der neue Tag ist nicht mehr aufzuhalten. Das Licht kommt. Die Sonne geht auf.
Bald wird es hell. Die Nacht hat nicht das letzte Wort.
Aufbegehren gegen die Dunkelheit hat eine Farbe. Lila.
Auf einem Kirchentag gab es mal lila Kirchentagsschals. „Umkehr zum Leben“ stand darauf. Umkehren, aufstehen zum Leben. Aufbegehren gehen die Dunkelheit, die Krankheit und den Tod. Auch dafür steht lila-violett.

Die Tradition des Violetten bei Kirchens ist alt. Es ist die Farbe der Fastenzeit. Der Advent gehört dazu: Einkehr und Innehalten. Sich einmal wieder auf Wesentliches beschränken wäre nicht schlecht. Nachdenken über das, was ist – und wie es sein könnte, wenn Gott kommt. 

„Buße“ gehört auch dazu. Ein altes Wort. Es meint: Umkehr und Neuausrichtung. Weg von mir selbst, von dem was war, was nicht gut war in meinen Gedanken, Worten und Taten – hin zu Gott, der zu mir kommt und bleibt, tröstend und helfend, vergebend.

Wenn es lila wird, dann wird mit der Farbe gespielt. Mehr feuerrot oder mehr himmelblau? Lila ist nicht eindeutig. Es gibt viele Übergänge - von der Dunkelheit ins Licht, ins Leben.

Ich nehme die violette Spur neu auf in meinem Leben, weil uns Gott aufgeht. Er kommt mir entgegen in einem kleinen Kind. Kehrt so zärtlich und leise bei mir ein – und eben nicht gewalttätig, monströs, mit viel Getöse und Brimborium.
Bei ihm darf ich einkehren. Zu ihm hin umkehren. Glauben. Vertrauen. Und dann auch aufbegehren im Alltäglichen: Wir sind mehr als Rädchen im Getriebe, Nummern, Human-Kapital. Wir sind wer, Persönlichkeiten, geradezu hochadlige Leute, Geliebte, Freundinnen und Freunde Gottes, weil er uns freundlich anschaut in diesem Krippenkind in Bethlehems Stall. Für immer. Da gibt es nichts zu deuteln.

Eine gesegnete Adventszeit und frohe Weihnachtstage wünscht Ihnen

Pfarrer Jörg Bauer, Seelsorger am Katharinenhospital