August 2020


„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben.“

(Mt 11, 28)

Das ist eine Einladung, die jedem – wie auch immer – „Mühseligen und Beladenen“ gilt. Eine Einladung, die Ruhe verspricht, Aufatmen und Freiwerden. Und der, der einlädt, ist Jesus selbst.

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben.“
Jesus ruft alle zu sich, die Entlastung nötig haben. Hier wird nicht abgegrenzt und ausgegrenzt, nicht unterschieden zwischen drinnen und draußen, gläubig und unkirchlich. Und schon das bringt Entlastung, wenn ich zu ihm kommen darf, ohne darauf achten zu müssen, ob ich dazugehöre oder fehl am Platz bin; wenn ich einfach so kommen darf, ohne mich gleich wieder zu etwas verpflichten zu müssen.

 

Jesu Worte wollen seine Zuhörer locken; wollen sie dazu einladen, trotz aller Mühen und Lasten nicht entmutigt in sich selbst verschlossen zu bleiben, sondern sich innerlich wie äußerlich auf den Weg zu machen:
auf den Weg zu ihm und durch ihn zu Gott, der Quelle des Lebens.
Jesus spricht alle Menschen an, die Sehnsucht haben danach, endlich wieder aufatmen zu können.
Er spricht alle die an, die es schwer haben im Leben, die auf der Schattenseite des Lebens sind egal aus welchen Gründen.
Sein Ruf gilt all denen, die verunsichert sind gerade auch in diesen Tagen:
allen Menschen, die sich der Grenzen ihres Tuns und Lebens bewusst geworden sind, wissend um ihre Macht und zugleich Ohnmacht; Menschen, die nicht mehr so ungebrochen sagen können: „Wir haben das schon im Griff“.

 

Wärme und Offenheit liegen in Jesu Worten.
Wir brauchen diese Zusage Jesu, der uns ermutigt los zu lassen, dem wir uns anvertrauen können. Und wir brauchen Menschen, die uns mittragen, die von diesem Geist Jesu durchdrungen sind und uns damit die Lebenslast leichter machen.
Jesus hat in seinen Begegnungen mit den Menschen vielen das Leben erleichtert. Er hat Menschen allein durch seine Nähe aus ihren Zwängen herausgeholt, ihnen den Zugang zum Leben und zu Gott wiedereröffnet.
Er kann uns Menschen ansprechen, uns aus unserer Isolierung herausholen.
Er erreicht es, weil er von uns kein „du musst“ verlangt:
kein „du musst stark sein – du darfst nie versagen“;
kein „du musst funktionieren – sonst bist du überflüssig und nicht mehr zu gebrauchen;
kein „du musst das glauben – denn dann läuft alles besser und leichter“.
Jesus eröffnet uns ein Leben mit dem „du darfst“!
„Du darfst einfach sein und spüren: ich bin erwünscht und willkommen, wie ich bin, obwohl ich so bin, wie ich bin.“
„Du darfst deiner Unsicherheit ins Gesicht sehen und musst dich nicht verstellen.“
„Du darfst deine Gefühle zeigen und zu ihnen stehen. Du darfst weinen und lachen, wenn du weinen und lachen willst.“
Du darfst aufatmen, weil es Oasen der Ruhe gibt, weil du einen Halt finden kannst, den du nicht selbst produziert hast.
Du darfst dich vorbehaltlos anvertrauen, wenn du die Stimme Jesu hörst: Komm her zu mir.

Pfarrerin Dorothee Mende, Krankenhaus vom Roten Kreuz