April 2020

© Hr. Schnürle

Es ist kein fröhlicher Osterspaziergang. Es ist eher eine Flucht.
Die zwei wollen vor all dem fliehen, was sie in der letzten Zeit erlebt haben, vor dem, was in Jerusalem geschehen ist. Sie wollen einfach nur weg.
Weg von der Verurteilung und der Kreuzigung dieses Mannes, auf den sie doch alle Hoffnung gesetzt haben.
Weg von dem Lügengeschwätz der Frauen, die behauptet haben, Jesus sei nicht mehr im Grab.
Alles ist so verwirrend.

Kann man das noch glauben?  Haben wir nicht schon so viele Enttäuschungen erlebt? Wir haben einmal gedacht, wenn wir an Gott glauben, dann müsste das Leben gelingen, wir wüssten, was recht ist. Wir müssten nicht verzweifeln. Und nun?

Heimlich und zunächst unbemerkt, mischt sich ein Dritter zwischen die beiden Wanderer.
Er bietet sich ihnen als Gesprächspartner an.
Die zwei Männer müssen aussprechen, was auf ihnen lastet. Das ist der erste Schritt, damit sie wieder klarsehen können. Wenn sie sagen, was sie bedrückt. Da ist jemand, der ihnen zuhört.
Der Fremde führt die trüben Gedanken der beiden Menschen in eine andere Richtung.
Die dunklen Gedanken lösen sich nicht von jetzt auf gleich auf. Es ist manchmal ein langer, auch beschwerlicher Weg:
Einmal glaubt man zu ahnen, wie es weiter gehen kann.
Und dann ist diese Ahnung wieder verschwunden. Oder besteht vielleicht doch wieder Hoffnung, dass sich eine neue Sicht ergibt, man vielleicht einen Schritt weiter sieht?

Es ist gut, auf diesem Weg einen Begleiter zu haben.
Jemand, der einem sagt, was man sich selbst nicht sagen kann, der vielleicht eine neue Perspektive hereinbringen kann.
Jemanden, der vielleicht stellvertretend für einen hofft und glaubt, weil man selbst nicht mehr hoffen und glauben kann.

Es ist gut, auf diesen Wegen zwischen Leiden und Hoffnung, zwischen Tod und Leben von Jesus, dem Auferstandenen zu hören. Unerkannt und unbemerkt ist er an der Seite von Menschen, die nicht weiterwissen. Unsichtbar - aber er ist da.

Pfarrerin Kristina Schnürle, Olgahospital