August 2019

© Dorothee Mende

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben, schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“ *

Gern singe ich dieses Lied und freue mich an der Schönheit der Natur und meiner Blumen im Garten, wie Paul Gerhardt es beschreibt. Es ist eines der Kirchenlieder, die bis heute Kraft entfalten, weil sie die Fülle des Lebens beschreiben in Zeiten der Hoffnungslosigkeit.

Als das Lied von Paul Gerhardt entstand, war der 30jährige Krieg gerade mal fünf Jahre vorbei. Es herrschte bittere Armut und zu wenige Menschen konnten arbeiten und das Land bebauen.

Und trotz alldem schreibt und dichtet Paul Gerhardt: „Geh aus mein Herz und suche Freud“.
Tue es, so sagt er, auch wenn da draußen das, was du siehst und erlebst, alles andere als erfreulich ist.

Lass dir die Sehnsucht nach Freude und dem Gefühl und Geschmack des Sommers nicht ausreden, auch wenn in unserer Welt und im eigenen Leben manches dagegen spricht.

So höre ich die Worte Paul Gerhardts auch an mich gerichtet.

Woher nimmt er die Kraft dazu? Verarbeitete Paul Gerhardt doch in vielen seiner Lieder die damaligen Kriegserlebnisse, erlebte selbst Leid und Schmerz. So waren jene Zeiten, für die Paul Gerhardt seine Lieder dichtete, keineswegs die sogenannten „guten alten Zeiten“. 
Doch gerade das Wissen darum, macht überhaupt die Tiefe dieses jubelnden Sommerliedes für mich aus.

Der Dank und das Lob Gottes für die großen und kleinen Dinge, die das Leben ausmachen, für die Schönheit der Natur und Schöpfung gehen eben nicht über die schweren Seiten und Zeiten des Lebens hinweg. Das Lob und das Singen erfüllen mein Herz auch dann, wenn gerade Regenwolken am Himmel hängen.

Wer lobt, dem steht der Himmel offen. Und so stellt sich Paul Gerhardt auch vor, wie es wohl in jenem Garten da oben aussieht. Das Bild vom Garten wird damit auch zum Hoffnungsbild für die Überwindung von Leid und Tod. Hier erlebe ich einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit Gottes. 

Pfarrerin Dorothee Mende, Krankenhaus vom Roten Kreuz

* aus dem Lied von Paul Gerhardt EG 503, V.1