Connection timed out Februar 2019 : Evangelische Krankenhausseelsorge Stuttgart

Februar 2019

„Ich bin gewiss, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Römer 8,18)

So schreibt einer, der mehrmals zu Unrecht im Gefängnis saß. So hofft einer, der aufmerksam die Gefährdung der Umwelt wahrnimmt und ihr „ängstliches Harren“ auf Befreiung, - und die, da ist er sich sicher, wird kommen. Er ist ein aktiv Wartender, den nichts daran hindern kann, an der Zukunft schon mitzubauen, und sei es nur durch Briefe, die er aus seiner Zelle schmuggelt. Dass andere seine Hoffnung für utopisch halten könnten, mindert ihre Kraft nicht. Im Gegenteil, es motiviert ihn umso mehr. Sie ist quicklebendig und sie ist ansteckend, sie wird überspringen. Und er gibt nicht auf. Sollte er scheitern, ist ihm auch das recht, weil er ja nur daran beteiligt ist, die Zukunft kommt so oder so, wie das Wort schon sagt, und zwar die helle Zukunft: Glanz voraus! Sonnenaufgang! Hoffnung für Verzagte und offene Türen für Gefesselte! Luft zum Atmen! Wenn diese Hoffnung Leiden einbringt, dann lässt es sich nicht umgehen. Deshalb kann er die Hoffnung nicht aufgeben – oder sie ihn nicht. Es ist wie bei einer Geburt: Die Wehen sind eigentlich nicht auszuhalten, aber wenn das neue Leben erst da ist – sind sie vergessen!

Von einem anderen Strafgefangenen, Dietrich Bonhoeffer, stammen auch die Gebetszeilen:

Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten
und meine Gedanken sammeln zu Dir,
ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster,
aber bei Dir ist das Licht,
ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede.
In mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld.
Ich verstehe Deine Wege nicht, aber
Du weißt den Weg für mich. (…)

Vor Dir denke ich an all die Meinen.
An die Mitgefangenen und an alle, die
in diesem Hause ihren schweren Dienst tun.

Herr, erbarme Dich!
Schenke mir die Freiheit wieder,
und lass mich derzeit so leben,
wie ich es vor Dir und vor den Menschen
verantworten kann.

Herr, was dieser Tag auch bringt, -
Dein Name sei gelobt!
Amen.

Christoph Hoffmann-Richter,
Bethesda-Krankenhaus und Furtbachkrankenhaus