Januar 2019

Jahreslosung 2019:
„Suche Frieden und jage ihm nach.“
(Psalm 34,15)

Ich weiß nicht. Irgendwie springt mich dieses Jahr die Jahreslosung gar nicht an.

Dem Frieden nachjagen. Wie soll das gehen?

Mit einem „Schießgewehr“ wie der Jäger bei Fuchs-du-hast-die-Gans-gestohlen?

Da kommen mir gleich die Gelbwesten in den Sinn. Oder die Rotröcke. Oder die Schwarzhemden. Und mit den Uniformen kommt das ungute Gefühl. Frieden hat doch nichts mit Uniformen zu tun. Nicht einmal mit grünen wie einst die Jägeruniformen.

Ich schaue nach, welches Wort für „jagen“ im hebräischen Psalm steht. Aha: „hinter jemandem oder etwas her sein, eilig oder eifrig folgen, verfolgen, nachlaufen.“

Frieden hat also mit Bewegung zu tun. Und mit „jagen“ ist vielleicht ein Aktivismus im nicht-gewalttätigen Sinn gemeint?

Ich begreife: Frieden ist nicht einfach da. Man muss etwas dafür tun. Sich bewegen. Frieden muss man suchen, ihm nachjagen, und vorher: WOLLEN.

Das ist glaube ich wichtig: Frieden wird es, wenn ich etwas für ihn tue, wenn ich ihn WILL.

Frieden wird, wenn ich in der Auseinandersetzung einmal Fünf gerade sein lasse, wenn ich ruhig und gelassen bleibe.

Ein anderes Mal muss ich mich für den Frieden auf die Hinterbeine stellen, für ihn kämpfen und mich einsetzen, auch wenn es mich zunächst einmal die Ruhe und Gelassenheit kostet.

So oder so: beim Jagen nach dem Frieden hilft das Vertrauen, dass Gott auf der Seite der Friedenssucher und Friedenseiferer ist. Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Denn denen läuft Gott beim Suchen und Jagen entgegen, damit „wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde den Menschen, die guten Willens sind, und dass dieser Friede auch zu den anderen komme.“ (Schluss eines Gebets aus dem Frauen-KZ Ravensbrück).

Gott gewähre uns allen ein friedliches Neues Jahr 2019!

Ellen Klass, Krankenhaus Bad Cannstatt, St. Anna Klinik, Sportklinik