Januar 2020

© F. Link

Nach Weihnachten…

Schon in den ersten Tagen nach Weihnachten liegen sie auf den Gehwegen – die Christbäume, die eben noch das gewöhnliche Wohnzimmer in ein Weihnachtszimmer verwandelt hatten. Jetzt liegen sie auf der Straße, abgeschmückt und ganz ohne Glanz. Weihnachten scheint in vielen Häusern schon wieder vorbei zu sein. Wie schade! Drei Festtage und dann die ernüchternde Rückkehr in den ungeschmückten Alltag. Das geht manchmal erschreckend schnell.

Ich erinnere mich daran, wie es mir im letzten Jahr ergangen ist. Das Jahr war bereits seit über zwei Wochen angebrochen und es wurde schließlich Zeit, den Weihnachtsschmuck in den Zimmern wieder wegzupacken.

So holte ich die Schachtel vom Dachboden, die außen beschriftet ist mit „Weihnachten“. Da hinein sollten sie wieder verschwinden, die Engel und Hirten der Krippe, die Könige, der Ochs und der Esel. Gut eingepackt natürlich und vorsichtig hineingelegt.

Eine Krippenfigur nach der anderen nehme ich noch einmal in die Hand, bevor ich sie in der Schachtel verschwinden lasse: den Hirten, der mitten in der Nacht aufgeschreckt wurde vom hellen Licht des aufgerissenen Himmels. Er verschwindet im Karton.
Der Engel, der gesungen hat: „Fürchtet euch nicht, siehe ich verkündige euch große Freude!“. Ich packe ihn gut ein.
Die Könige mit ihrer Krone, die sich auf den weiten Weg gemacht haben, um ihm zu begegnen, dem neuen König. Ich achte beim Einpacken besonders darauf, dass ihre zarten Kronen nicht zerbrechen.
Und schließlich halte ich Maria und Josef mit dem Jesuskind in der Hand. Gott begleitete Sie auf ihrem Weg und in dem Kind schenkt er uns seine ganze Liebe.

Es fällt mir nicht leicht, die Figuren einzuwickeln und zu verpacken.

So, jetzt ist sie weggeräumt, die Krippe und alles wieder gut verstaut auf dem Dachboden.
Als ich wieder ins Wohnzimmer komme, entdecke ich am Fenster den roten Transparentstern, den wir dort angebracht haben. Den habe ich vergessen wegzuräumen. Gerade als ich einen Stuhl holen will, um hochzusteigen und den Stern abzuhängen, kommt mir ein Gedanke: Diesen Stern lasse ich hängen. In ihm spiegelt sich das ganze Jahr über das Licht der Sonne und strahlt durch den Stern hindurch in unser Wohnzimmer. Dieser Stern soll mir immer wieder, das ganze Jahr hindurch, vor Augen führen, dass die Weihnachtsbotschaft nach dem Erscheinungsfest nicht weggepackt werden kann und für den Rest des Jahres gut verstaut bleiben, sondern dass sie das ganze Jahr hindurch verkündet wird und mir immer wieder neu zusagt:

Der Himmel ist und bleibt offen, wie ihn die Hirten damals gesehen haben; ich darf es wagen, die Liebe Gottes zu suchen, wie es die Könige getan haben; ich brauche mich nicht zu fürchten, so sagt es der Engel, denn Gott begleitet mich auf meinem Weg.

Pfarrerin Franziska Link, Marienhospital