Juli 2019

……Keine Ferien……

O Mensch, halt ein vorm Krankenhaus.
Gehn dem einmal die Kranken aus,
dann greift man auch auf dich zurück,
und du verbleibst dort Stück für Stück….


Robert Gernhardt, der 2006 verstorbene Lyriker, Maler, Zeichner Karikaturist hatte selbst genug Erfahrungen mit Krankenhaus um zu wissen, wovon er spricht. Wie das ist Patient zu sein, sich ausgeliefert fühlen. Wenn plötzlich der Körper und seine Beschwerden allen Lebensraum beanspruchen und vor allem alle Kraft. Das ganze Menschsein reduziert sich auf die körperlichen Funktionen – oder ihre Beeinträchtigung.

Das präludiert mit etwas Darm,
dann schneidet man sich langsam warm
an Leber, Venen und Arterien –
so’n Krankenhaus kennt keine Ferien.


Natürlich ist Zeit im Krankenhaus keine Ferienzeit - aber so schlimm? Ja dieses Gedicht ist wie eine Karikatur, wie so viele, die Gernhardt mit unverwechselbarem Strich gezeichnet hat. Immer mit einem liebevollen, auch wehmütigen Blick auf das Leben, so wie es eben ist. Nur mit Schmunzeln richtig lesbar - auch mit Schmunzeln über sich selbst.

Greift nach den Alten, nach den Jungen,
...
nach Herz und Brust, nach Hirn und Hoden,
und bringt dich das nicht unter’n Boden,
dann doch auf Null. Was folgt daraus?
Mensch, halt dich fern vom Krankenhaus!*


Natürlich: Sich vom Krankenhaus fernzuhalten ist ja auch keine Option. Aber die Zeit dort als eine Auszeit wahrzunehmen, gewissermaßen so wie auch Urlaubs- und Ferientage. Wo wir uns selbst wieder einmal auf der Spur sind, unsre offenen und versteckten Stellen wahrnehmen, runterkommen, innehalten……
Ich wünsche in diesem Sinne gute Tage im Krankenhaus und in den Ferien!

Dorothea Wisotzky, Pfarrerin im Katharinenhospital, Sana-Herzchirurgie und Hospiz

*Aus dem Gedicht von Robert Gernhardt, Gesammelte Gedichte 1954–2006, S. 879, S. Fischer Verlag GmbH