März 2019

Da, wo ich hingehe, gibt es keine Falten mehr…

„Oh, Ihr Betttuch ist ja ganz faltig!“ Sagte die Krankenschwester.
„Da, wo ich hingehe, gibt es keine Falten mehr.“ Sagte die Patientin.
Zwei Tage später starb sie.

Sie hatte schon jahrelang Krebs und viele Therapien durchgestanden.
Immer wieder hatte sie sich in den Alltag zurückgekämpft,
so dass sie wieder für ihre Familie sorgen und ihr Leben genießen konnte.

Ich weiß nicht, wie viele Betttücher sie in ihrem Leben glattgestrichen hat,
bevor sie das nicht mehr selbst machen konnte
und es Krankenschwestern und Pfleger für sie machen mussten.

Es ist schön, ein gemachtes Bett zu sehen, wenn alles frisch und aufgeräumt ist.
Und nicht nur schön:
Wir brauchen ein glattes Laken, um bequem zu liegen und nicht aufzuliegen.

Aber alles hat seine Zeit.
Jetzt war das nicht mehr wichtig.
Jetzt wollte die Frau nur schmerzfrei sein, viel schlafen und ihre Familie bei sich haben.

Sie spürte: Dieses Mal gibt es kein Zurück in den Alltag.
Sie war traurig, denn ihr Leben war schön, trotz der Krankheit, und der Abschied war schwer.
Aber sie konnte es annehmen, das Unausweichliche.
Denn sie hatte getan, was möglich war.

Sie war gewiss, dass sie Gott getrost entgegengehen kann.
Mit allem, was ihr Leben ausmacht:
Mit dem, was glatt war, dem Faltigen und dem, was unfertig geblieben ist.
Gott würde sie in die Arme schließen.

Ich war bei dieser Begegnung nicht dabei.
Als mir die Krankenschwester davon erzählt hat, war ich sehr berührt.

"Da, wo ich hingehe, gibt es keine Falten mehr.“
Welch schönes Bild für das Leben nach dem Tod!
Dorthin war sie unterwegs.
Getrost konnte sie hinüberschlafen.
Sich fallen lassen.
Geborgen - auf ewig.

Pfarrerin Ingrid Wöhrle-Ziegler, Diakonie-Klinikum