März 2020

© Corinna Schmohl

Himmel

Der Patient ist schmal geworden.
Er schläft viel.

„Wie ist der Tag?“,
fragt ihn der Krankenpfleger am Morgen.

Der Patient wendet den Kopf zum Fenster.
Er lächelt knitz.
Und antwortet:
„Hell.“

„Es ist hell“, sagt der Patient, und lächelt, obwohl es ihm so schlecht geht.
Er meint nicht allein den tatsächlich strahlend blauen Himmel draußen.

„Der Himmel ist und bleibt offen, wie ihn die Hirten damals gesehen haben“, fällt mir ein. So hat es meine Kollegin Franziska Link in ihrer Monatsandacht dieser Reihe im Januar 2020 beschrieben.

Der Himmel ist und bleibt offen, wie ihn die Hirten damals gesehen haben:

Es ist nicht mehr Weihnachten.
Es ist auch noch nicht Ostern.
Wir sind mitten im dazwischen.
So wie auch sonst oft im Leben.

Der Weg nach Ostern ist lang, das ist wahr.
In Zeiten von Ungewissheit, Unsicherheit und Krankheit spüren wir das besonders.

Aber dieses stimmt auch:

Das Kreuz Christi ist eine Last von der Art,
wie es Flügel für die Vögel sind.
Sie tragen aufwärts.
(Bernhard von Clairvaux, Evangelisches Gesangbuch, Seite 204)

 

Pfarrerin Dr. Corinna Schmohl, Klinikum Stuttgart, Standort Mitte (Katharinenhospital)