Connection timed out Oktober 2018 : Evangelische Krankenhausseelsorge Stuttgart

Oktober 2018

 „Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!“
(Psalm 103,1)


„Wie geht es Ihnen?“,
werde ich öfters gefragt.

Und wenn ich das Gefühl habe,
es steckt echte Anteilnahme hinter dieser Frage,
dann tut mir das gut.
Denn dann interessiert sich jemand für mich,
will wirklich wissen, wie es mir geht.

Ja, wie geht es mir?
Diese Frage kann ich mir auch selbst stellen:
Hab ich eine Wut im Bauch?
Oder freue ich mich?
Bin ich traurig?
Oder habe ich Angst?

Wie geht es mir? -
Um darauf eine Antwort zu finden,
brauche ich einen Moment, brauche ich Zeit.
Ein Gottesdienst, eine Andacht
kann ein solches Zeitfenster sein.
Dieser Frage kann ich aber auch beim Warten auf die Bahn nachgehen,
oder während einer Sitzung oder Konferenz.
Oder ich komme ganz gewohnheitsgemäß zu mir selbst,
wenn ich vor dem Schlafen zu Gott bete
und ihm sage, wie ich mich fühle.

Jörg Zink hat einen ansprechenden, guten Text zum Fühlen verfasst,
den ich mit Ihnen teilen möchte.
Er sagt:

„Ein Gefühl ist wie ein Kind,
das in uns lebt und weint und lacht,
Hunger hat und bemerkt sein will.
Wer zu seinem Gefühl zu oft sagt:
Sei still, ich habe jetzt keine Zeit für dich –
dessen inneres Kind sitzt eines Tages
in einer vergessenen Ecke und trauert,
wird krank und verkümmert.

Mit Gefühlen soll man umgehen,
wie man mit einem Kind umgeht.
Man sieht ihm freundlich zu und aufmerksam.
Man hört, was es klagt,
man leidet mit ihm, wenn es leidet.
Denn Gefühle sind die lebendigsten Kräfte in uns,
und keine andere Kraft in uns
bringt so Lebendiges hervor.

Ein Kind hat auch Wünsche,
berechtigte, gute, schöne,
die nicht zu erfüllen sind.
Dann nehmen wir es auf den Arm
und sind mit ihm traurig.
Aber wir schicken es nicht weg.
Ein Kind kann verstehen, dass es nicht alles haben kann.
Aber lieben muss man es,
ihm Mut geben und Fröhlichkeit,
und Raum, seine Kräfte zu regen.“
(aus: Jörg Zink, Was bleibt, stiften die Liebenden)

Mir sagte eine Patientin:
„Seit ich im Krankenhaus bin,
bin ich viel durchlässiger geworden.
Ich bin viel näher an mir dran,
auch an meinen Gefühlen.
Das klingt vielleicht komisch:
Aber seit ich meine Gefühle zulasse,
haben sich meine Beziehungen verändert.
Irgendwie gehen wir klarer, offener,
lebendiger und echter miteinander um.“

Jörg Zink hat schon Recht, wenn er sagt:
„Gefühle sind die lebendigsten Kräfte in uns,
und keine andere Kraft in uns
bringt so Lebendiges hervor.“

Pfarrer Holger Platz,
Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart